AKTUELLE BUCHVORSTELLUNG: Wörterbuch des Aberglaubens
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Hokuspokus! – Dieses seit gut vierhundert Jahren bekannte Wort findet Verwendung bei Taschenspielereien und als Bestandteil von Zauberformeln. Auch wenn seine Herkunft (Etymologie) sich nicht (mehr) mit letzter Sicherheit erschließen lässt, so spricht doch vieles dafür, dass es sich entwickelt hat aus den Einsetzungsworten Jesu beim Abendmahl: „Das ist mein Leib“ (Lukas 22,19 u. a.). Im Lateinischen lauten diese nämlich: „Hoc est corpus meum.“ Im Laufe der Zeit wurde dieser Satz im Volksmund umgeformt zu dem rhythmisch klingenden Wort „Hokuspokus“. Denkbar ist aber auch, dass dieser Begriff aus der alten Zauberformel „Hax, pax, max“ hervorgegangen ist …
Diese Worterklärung findet sich in Dieter Harmenings „Wörterbuch des Aberglaubens“, das 2005 erstmals im Reclam Verlag erschienen ist und mittlerweile in zweiter, erweiterter Auflage vorliegt. Mehr als eintausend erläuterte Begriffe ermöglichen der Leserin und dem Leser einen interessanten Einblick in die Welt des Aberglaubens. Ein ausführliches Vorwort sowie ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis unterstreichen den hohen Informationsgehalt der über fünfhundert Seiten des kleinen Bändchens. Das Wörterbuch nimmt sich dabei keineswegs in wertender Weise des Themas an; es liegt also nicht in der Absicht des Verfassers, den Aberglauben etwa als ein belustigendes oder auch zu verurteilendes Phänomen bloßzustellen. Zunächst einmal umfasst der Begriff Aberglaube für Dieter Harmening „die Bereiche des Wahrsagens und der Zeichendeutung sowie des magischen Wissens und der zauberischen Praxis.“ Dabei ist ihm unter anderem wichtig, Aberglaube nicht zu verstehen „als Ausdruck einer, evolutionistisch betrachtet, Vorstufe des Logischen, sondern als Ausdruck einer habituellen Geistigkeit.“ Eine „abergläubische Ansicht“ zu vertreten, bedeutet also keineswegs, des logischen Denkens nicht fähig zu sein! Vielmehr beruht Aberglaube auf Vorstellungen, Gedanken und Ideen, die aus ihrem ursprünglichen Zusammenhängen herausgetrennt und mit neuen Deutungsmustern versehen wurden – wie die Entstehungsgeschichte von „Hokuspokus“ eindrücklich belegt.
Die einzelnen Artikel des Wörterbuchs lassen sich nicht nur mit hohem Erkenntnisgewinn lesen, sondern sie eröffnen bisweilen auch äußerst spannende Zusammenhänge. Sie sind wissenschaftlich fundiert und in ihren Aussagen auch durch entsprechende Quellen belegt. Es lohnt sich immer, bei konkretem Bedarf oder auch allgemeinem Interesse einen Blick in dieses Lexikon zu werfen. Apropos Blick: Was hat es eigentlich mit dem „Bösen Blick“ auf sich? Eine aufschlussreiche Antwort gibt’s – selbstverständlich – im „Wörterbuch des Aberglaubens“ …
jg 070519
Folgende Bücher wurden bislang vorgestellt - Titel alphabetisch geordnet:
Harmening, Dieter: Wörterbuch des Aberglaubens Reclam Verlag